Kanutrip in Südschweden
Bevor sich der Blue Moped Blog wieder mit seiner Hauptaufgabe, der Vermittlung und Verbreitung von Webstandards und zugänglichem Webdesign, widmet, möchte ich euch einen kleinen Reisebericht unseres Schweden Urlaubs ins Netz stellen. Daran sieht man, dass DJ und ich auch noch was anderes machen, als nur vor dem Bildschirm hocken.
Dieser Bericht ist von unserem Mitstreiter Johannes Wölfle verfasst worden und findet sich ursprünglich auf seiner Webseite. Ich hab das ganze noch ein bissl modifiziert und mit Fotos aufgepeppt!
Zwischen Tisnaren und Hunn
Mit Isomatte, Schlafsack, Zelten und Essen in rauen Mengen verbrachten wir fünf Tage in der Natur und mit der Natur. Zur Resozialisierung gab es vor der Rückreise einen Abstecher nach Stockholm.
Die Unterkünfte bestanden aus unseren Zelten oder “Holzhütten”, die die freundlichen Touristenorganisationen irgendwo im Wald entlang solcher Kanurouten plazieren. Bei den Holzhütten gibt es komfortabler Weise auch immer ein Plumpsklo, dass durchaus gepflegt ist und auch immer Klopapier vorrätig hat.
Für alle anderen Bedürfnisse wie Waschgelegenheit oder Lagerfeuer werden die Seen und Wälder genutzt. Dank richtiger Ausrüstung fehlte es an nichts. Der Lagerplatz lag immer am Wasser, mit idyllischem Ausblick auf den Sonnenuntergang.
Die Route und die Idee für die ganze Tour haben wir uns aus einem netten Buch über Kanurouten in Südschweden herausgesucht.
Auf der (von uns hier stark vereinfacht improvisierten) Karte ist die südliche Region von Kartineholm dargestellt. Die roten Punkte stellen Orte dar, die über die orange/braunen Straßen verbunden sind. Unsere Kanutour führt entlang der grünen Linie (bitte die Pfeilrichtung beachten). Mit X sind die Tagesziele markiert. Die Route hat eine “offizielle” Länge von 90km. Zur Navigation diente die Routenbeschreibung aus dem Buch und eine topographische Karte. Ein GPS Gerät erleichterte die Orientierung. Bei guten Verhältnissen betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 5 bis 6 km/h. Kurze Powerphasen ermöglichten Geschwindigkeiten bis 8,8km/h. (Wir sind so unglaublich stark, harrrrr harrr!)
Montag: Anreise von ca. 3 Uhr bis 17 Uhr.
Einbooten (zwei Alu-Canadier für je zwei Personen und ein leuchtend gelbes Kajak für den fünften Mann) in Ändelbol. In großen blauen Fässern wurde der Krempel verstaut, der nicht nass werden sollte (wie Essen und Schlafsäcke). Das restliche Gepäck wurde in Säcken gepackt, um es leidlich vor Spritzwasser oder einem eventuellen Untergang (zum Glück ging keine Gepäck und auch keine Besatzung von uns Baden) zu schützen.
Die erste Herausforderung nach dem Einbooten bestand im Finden eines winzigen Ausgangs aus dem See. Mit vereinten Kräften und extra Runden auf dem See bei herrlichstem Wetter (blauer Himmel, nahezu Windstille, angenehme Temperatur) fanden wir den rechten Weg. Wer auch Lust hat diese Tour zu machen sollte neben der topographischen Karte UMBEDINGT auch noch eine Beschreibung der Route mithaben. Es gibt doch einige Stellen, an denen man etwas überrascht wird.
Hier irrt die topographische Karte. Wenn sie ihr Kanu nicht durch einen verlandeten Schilfgürtel wuchten wollen, fahren sie besser links an der Insel vorbei.
OTon – unseres Kanuführers
Nach etwa einer Stunde legten wir am ersten Übernachtungspunkt an. Auf einer kleinen Landzunge wurden die Zelte aufgebaut, Feuer gemacht und der Abend genossen.
Dienstag:
Wie an diesem Tag starteten auch die weiteren Tage um etwa 8 Uhr mit Aufstehen, Frühstücken und Packen der Sachen. Zwischen 10 und 11 Uhr ging es wieder aufs Wasser. Um etwa 18 Uhr wurden die Tagesziele erreicht.
Die heutige Route führte zunächst durch kleinere Seen in den See Tisnaren. Dort hatten wir mit starkem Gegenwind und hohen Wellen zu kämpfen. Etwas leichter war das Vorankommen in Strandnähe. Dennoch hatten wir zu kämpfen und Wasser aus den Booten zu schaffen. Erst reichten noch Schwämme, später war eine Schüssel hilfreicher. Vor dem Ziel gerieten wir in seltsame Strömungen und machten weite Umwege. Der Himmel war zwar den ganzen Tag über bedeckt, es fiel aber zum Glück kein Tropfen Regen. Am Abend zog der Himmel auf, der Wind lies nach.
Das Nachtquartier bestand aus einer Windschutzhütte, in der 5 Personen gut nebeneinander Schlafen konnten. Davor war ein Grillplatz mit Rost angelegt. Starker Rauch des Lagerfeuers vertreibt die Mücken, und qualmt die Klamotten ein (was dafür sorgt, dass die Mücken sich am nächsten Tag auch noch eine zeitlang am Gestank stören und man selbst stinkt wie ein Räucherschinken!). ![]()
Ein Riesentipp übrigens, wenn das Feuer nicht angeht: In Birkenrinde steckt Alkohol. Das macht sie zu einem unglaublich genialen Anzünder. Selbst wenn die Rinde nass ist, brennt sie wie Zunder.
Mittwoch:
Bei bombastischem Sonnenschein ging es heute nach einer kurzen Portage (die Boote werden auf Räder gestellt und durch die Wälder gezogen) über einige schmale Seen und durch kleine Schilfgürtel. Das Wetter ermöglichte ein schnelles Vorankommen und ein wenig Bräune…
Gegen Nachmittag erreichten wir Rejmyre. Dort war ist die längste Portage über 3,5km notwendig. Die Portage führte durch den Ort, in dem man eine Glasbläserei besichtigen und sein Proviant ergänzen kann. Mit Grillfleisch, Wasser und anderen Leckereien stachen wir wieder in See. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir das Tagesziel. Ein weiterer Windschutz erspart einem das Aufbauen der Zelte. Sinnfreierweise sind die Holzverschläge in diesem Teil der Tour sehr nah beieinander gebaut, so dass es keine gute Idee ist jeweils eine als Tagesziel zu verplanen. Im Bereich Tisnaren ist dafür keine einzige Hütte vorhanden und es ist daher ratsam durchaus Zelte einzuplanen. Zumal während der Saison durchaus Hütten belegt sein können.
Donnerstag:
Der “Amazonas” – Tag. Einige Kilometer waren in Flüsschen ohne nennenswerte Strömung zu bewältigen. Durch Schilfgürtel erreichten wir weitere Bächchen, die teilweise zu wenig Wasser führten. So mussten die Boote gezogen werden. An anderen Stellen waren die “Wasserstraßen” stark bewachsen. viel Schilf und Gestrüpp streiften übers Gesicht und Kleidung. Enge Kurven, Steine im Weg erforderten hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Obwohl wir den dritten Tag auf dem Wasser waren, war es eine ganz neue Erfahrung.
Das Nachtlager schlugen wir wieder auf einer Landzunge auf. Von dort aus war das Wasser zum Waschen oder Geschirrspülen nur schwer zu erreichen. Der Mondaufgang entschädigte aber ungemein. Tagsüber und auch am Abend nieselte es immer wieder für wenige Minuten. Nass bis auf die Haut wurde aber keiner.
Freitag:
Die Route führt zunächst über kleinere Seen. Schon bald war die erste Portage notwendig. An einem idyllischen Sandstrand neben einem Wasserkraftwerk landeten wir an, um nach wenigen Metern die Boote wieder ins Wasser zu schieben.
Gegen Mittag erreichten wir die Hütte der zweiten Nacht. Das in der Nähe gelegene Dorf bietet eine winzige Einkaufsmöglichkeit (die einzige neben Rejmyre), die natürlich genutzt wurde. Am Nachmittag erreichten wir den Tisnaren. Zu Beginn mit kleinen Wellen und Rückenwind, zum Ende hin wurden die Wellen größer, der Wind mehr. In einem kleinen Nachbarsee entdeckten wir einen idealen Zeltplatz. Da unser Proviantfass noch üppig gefüllt war, stand an diesem Abend ein entsprechendes Essen an. Voll bis an den Rand und bei klarem blauen Himmel endete der Tag.
Samstag:
Auch an diesem Tag sahen und erlebten wir auf dem Wasser wieder völlig neue Dinge. Die Strecke bestand aus einigen Portagen, Flüssen, einer abschüssigeren Wildwasser Fahrt. Langen Seen und vielen verschiedenen Brücken. Die letzte zu bewältigende Brückenunterquerung war nur durch Liegen auf dem Boot möglich.
An einem Seil zogen wir uns unten durch und schrappten dennoch mit der Bootoberkante an der Brücke. Es stellt sich die Frage, wie man bei höherem Wasserstand (der in einigen kleinen Bächen (s.o.) durchaus hilfreich gewesen wäre) da noch durchkommen soll.
Auf den letzten Kilometer der rund 90km langen Tour paddelten wir an vielen Strandhäusern im typischen schwedischen Stil vorbei. Gegen 16 Uhr erreichten wir den Hafen, an dem unser Auto stand. Die Boote wurde ausgeräumt und ausgewischt. Das Gepäck im Auto verstaut.
Auf direktem Weg ging es nach Stockholm. Nach vergeblicher Unterkunftssuche (Achtung: IMMER eine Herberge vorreservieren wenn es nach Stockholm geht. Besonders am Wochenende. Wir empfehlen die Chapman, ein Jugendherbergsschiff). erkundetet wir in einem ausgedehnten Spaziergang Teile Stockholms bei Sonnenuntergang und super Wetter, aßen eine Kleinigkeit und verbrachten noch ein Wenig Zeit in den Kneipen und Clubs. Stockholm wirkt sehr imposant, schön, aufgeräumt und sauber.
Besonders beeindruckten die Pollerleuchten vor dem Schloss, da die selben bei meinem Arbeitgeber im Eingangsbereich eingesetzt werden…
Wissenswertes über Schweden
Wenn man wie ich mit der falschen Vorbereitung und mangels fehlenden Grundkenntnissen nach Schweden aufbricht fehlt die richtige Währung in der Tasche. Mit Kreditkarte kann aber eigentlich überall bezahlt werden.
Währung: Schwedische Krone (Wechselkurs 09/06 ca. 1€ zu 9,33 SEK)
Auch wenn oft kein Haus oder keine Hütte zu sehen war, der Handyempfang ist auch in der Wildnis überall möglich.
Viele der Häuser sind, der Vorstellung entsprechend, dunkelrot angestrichen und aus Holz. Gewöhnungsbedürftig ist, dass es wenig Brotsorten gibt, die nicht süßlich schmecken (das scheint ja scheinbar ein weltweites Problem zu sein!!! Zwischen Schweden und Australien findet man ausser im deutschsprachigen Raum doch NIERGENDS vernünftiges Brot
). Auf den Straßen in Schweden gelten überall Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auf den Autobahnen waren 110km/h das Maximum.
Tipps für Kanutouren in Schweden
Eine gute Karte und bei längeren Touren ein Kompass oder noch besser GPS erleichtern die Navigation erheblich. Zum Trockenlegen des Bootes bietet sich ein Schwamm bestens an, der sollte auf keinen Fall fehlen.
Auf unserer Tour war kein Tag wie der andere. Auch wenn man glaubt, es kann nichts mehr neues passieren, so wird man jeden Tag erneut überrascht. So hatten wir herrliches Sonnenwetter in herrlichster Landschaft, oder starken Wind, engste Passagen, Brücken, Portagen, Schilfgürtel, riesige Wellen, verrückte Strömungen…
Auf der Packliste sollte nicht fehlen: Schaufelchen für den Fall, dass kein Plumpsklo zu finden ist. Taschenlampe, Feuerzeug, Säcke und wasserdichte Dosen zum Verstauen der Ausrüstung, Gewebeklebeband, eine Wäscheleine/Seil, Müllsäcke, Taschenmesser, Geschirr und Besteck, Isomatte, Schlafsack, Zelt, Fässer, Wasserflaschen, eine gute Reiseapotheke (Mückenschutz), Spülmittel (ökologisch abbaubar), Geschirrhandtücher, Proviant, Kocher, Sonnenschutz (Creme, Brille…), Regenklamotten, Schuhe mit denen auch im Wasser sicherer Auftritt möglich ist.
Übrigens bietet der Reisebuchverlag auf seiner Webseite auch ein interessantes Forum für Alternativurlauber. Wer also weitere Tipps braucht…
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