Ich gehöre zu einem der wenigen Menschen, die nicht nur so gut wie alle Genesis Alben als CD oder Schallplatte besitzen und sich dabei nicht auf die Zeit mit oder ohne Peter Gabriel festlegen, sondern auch noch dazu stehen diese Musik noch immer gut zu finden.
Das führt gelegentlich zu obskuren Dialogen:
„Ich muss heute etwas früher los, ich geh noch auf ein Konzert“
„Echt, wer spielt denn?“
„Genesis!“
„Ähm… aha!“
„Ja in Düsseldorf. Ich geh mit meinen Eltern hin!“
(verständnisvolles Lächlen) „Achso, hast’e geschenkt bekommen, ne?“
„Öhm, ne. Das ist eigentlich umgekehr!“
Am 27.6.2007 war ich dann nun tatsächlich mit meinen Eltern bei dem Genesis Konzert in der LTU Arena in Düsseldorf. Toll organisiert, nicht zu voll im Innenraum (was beides sicherlich vor allem der Halle zu Gute gehalten werden muss) und mit einer Show, die für die 65 Eur pro Innenraumkarte mehr als entschädigte. Im Ganzen fast 3 Stunden standen die 3 Herren Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks zusammen mit den Jahrzehnte lang Genesis Touren begleitenden Live Musikern Daryl Sturmer und Chester Thompson auf der Bühne und feuerten vor einer sehr ansprechenden Bühne einen guten Querschnitte aus alten und neuen Songs ab.
Als ganz besonderes Highlight des Abends verkündete Phil Collins zu Beginn der Show, dass das Konzert Live in mehrere Europäische Länder übertragen wird, darunter Spanien, Großbritannien und Schweden. Dort saßen zeitgleich in über die Länder verstreuten Kinos Fans der Band um das Geschehen aus Düsseldorf auf dem Bildschirm zu verfolgen.
Die auf den ersten Blick unspektakulär gestaltete Bühne entpuppte sich im Verlauf der Show zu einer ausgeklügelten Multimedia Installation, auf deren Kompletter Fläche Videos und Animationen eingeblendet werden konnten und in deren Rücken mehrere Scheinwerfer Wagen über Schienen auf und ab fahren konnten. Auch ein abschließendes Feuerwerk zu “Invisble Touch” durfte natürlich nicht fehlen.
Genial auch wie auf der Rückwand mit alten Genesis Motiven gespielt wird. Egal ob bei einigen Songs alte Fotos und Videos der Band durchlaufen oder Strichmännchen-Animationen alte Plattencover zitieren.
Der absolute Hammer, und hier muss man die Musikindustrie wirklich mal für Kreativität und Einfallsreichtum loben, ist die Tatsache, dass man sich von JEDER Show eine Live DoppelCD bestellen kann. Selbst ich, der ich eigentlich alle Songs die Genesis an diesem Abend gespielt hat auch in einer Liveversion besitze, finde den Gedanken eine CD von “meinem” speziellen Konzert zu besitzen verlockend und bin bereit dafür die 30$ bei TheMusic.com zu zahlen.
Ganz verrückte können sich auch eine Collectorsbox mit allen 22 Konzerten für um die 800$ kaufen… (no comment!).
Außerdem wird es wohl Ende des Jahres noch einige weitere Medien geben. So eine Band-Geschichts-DVD und eine Tourhistory. Ich hätte mich zwar mehr auf eine Live DVD gefreut, aber vielleicht ist diese ja in der Tourhistory enthalten.
Vielleicht versteht ja endlich jemand, dass es keinen Sinn mehr macht mit konventionellen Methoden wie Konzertfotos Geld zu machen, wenn ich am nächsten Tag 500 Fotos bei Flickr downloaden kann. Da ist so eine Live CD sicherlich ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Auch die Genesis Homepage hat ein Remake erhalten. Sie ist jetzt sehr Flashlastig und spielt intensiv mit dem Artwork alter CDs, was zumindest mir sehr gut gefällt. Während des Konzerts erhält man auch einige Ausblicke auf zukünftige Interaktive Features der Seite, sowie eine Möglichkeit sich in den exklusiven Teil der Webseite einzuloggen.
Zusammenfassend läßt sich sagen:
Es hat sich gelohnt. Es war schon immer schwierig die alten Fans der Gabriel Zeit zufriedenzustellen und gleichzeitig die neuen Fans der poppigen Collins Zeit nicht zu vernachläßigen und umgekehrt. Auch in diesem Konzert und mit dieser Tour kann dieser Balanceakt nur halb aufgehen.
Wer die psychodelischen Sounds vergangener Tage hören will ist von Hits wie “I can’t dance” oder “No son of mine” sicherlich angestresst. Umgekehrt will ein Collins Fan nicht umbedingt 15min instrumental Stücke aus Nursery’s Crime hören. Mir gefällt beides, auch wenn die alten Stücke ohne Musical-artige Performance von Peter Gabriel mit phantastischen Kostümen nun mal einfach nicht so abgedreht sind.
Aber vielleicht bekommen Genesis Fans in ein paar Jahren noch eine Reunion Tour geboten. Diesmal mit Peter Gabriel und Steve Hackett?
Fotos von der Show findet man unter anderem hier Flickr
Filme von den Konzerten findet man unter anderem hier YouTube
EDIT: Es gibt eine nette social community die alle Medien rund um die aktuelle Genesis Tour Sammelt: Genesis Space
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