Sascha Postner macht Jagd auf Kommunikation, Webstandards und Public Relations

 

Archiv für die Kategorie „Kommunikation“

Fatal oder Viral? Trigema Geschäftsführer zum Web

Freitag, 7. Mai 2010

Die Firma Trigema dürfte den meisten unter anderem durch deren Werbespots (u.a. der Trigema Affe) und die exzentrischen Fernsehauftritte ihres Geschäftsführers Wolfgang Grupp bekannt sein.

Was ist passiert?

Besagter Herr Grupp beantwortete in einem (angeblichscheinbar stark gekürzten) Mikrointerview im Blog des Business-Clubs innovativ.in Anfang Mai der Clubgründerin Elita Wiegand Fragen “zum Web”. Diese Antworten passten zwar gut zu den normalerweise öffentlich geäußerten Meinungen des Mittelständlers stehen aber in starkem Widerspruch zu den Marketinginnitativen von Trigema und ganz allgemein zu professionellem Kommunikationsverhalten.

Auf die Frage was Wolfgang Grupp zu Social Media sagt, antwortete dieser beispielsweise wie folgt:

Ich beschäftige mich damit nicht. Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten. Haben die Menschen eigentlich nichts Besseres zu tun, als über belanglosen Kram zu schreiben? Wen interessiert das?

Weitere Highlights: “Ich bin der Meinung, dass die Welt besser wäre, wenn es das Internet nicht gäbe.” oder “[...] Online-Shops machen die Geschäfte kaputt.

Wie kann so etwas passieren?

Man kann solche Meinungen vertreten, es stellt sich allerdings die Frage ob es sonderlich geschickt ist als Kopf eines Unternehmens potentiellen Kunden unnötig vor den Kopf zu stoßen und sich somit als moderner, kompetenter geschäftschädigender Geschäftsführer zu präsentieren. Wobei ich persönlich nicht mal den Eindruck hatte, dass sich das sozial Web wirklich auf den Schlips getreten gefühlt hat. Es erschien mir mehr eine Belustigung über die Naivität des Mittelständlers durch das Netz zu wabern. Schließlich beschwert er sich hier zum Teil auch über die Hand die ihn füttert…

Daher kam schnell der Gedanke auf, dass Grupp, der seine Firma eigentlich betont patriachalisch führt, seinen Laden nicht im Griff hat oder ohne Kenntnis der Arbeit seiner eigenen Marketingabteilung spricht. Denn Trigema betreibt spätestens seit März sowohl einen eigenen und eine Facebookseite.

Aufgrund dieser Diskrepanz wurde in der Diskussion von einigen Usern der Verdacht geäußert es handele sich möglicherweise um eine virale Kampagne von Trigema. Das würde zwar ganz dem “Charme” von Grupp und den bisherigen Marketingkampagnen des Unternehmens entsprechen, erscheint allerdings doch etwas unwahrscheinlich. Nicht zuletzt Grupps eigene Aussagen würden so ad-absurdum geführt:

Und noch eine Auswirkung unserer Werbung: Wir sorgen für ein positives Image in der Öffentlichkeit [...]

Der Markenname Trigema würde im Social Web durch einen solchen Zündfunken seine Runde machen (qed), aber positiv aufgeladen wird er dadurch sicherlich nicht.

Shitstorm…

Wer sich etwas mit Netzphänomenen beschäftige hätte prophezeihen können, dass sich schnell ein passendes Mem bilden würde. In Profilbildern bei Twitter und Facebook finden sich bereits massenhaft Anspielungen auf Grupps Aussagen und wie zuletzt bei Nestle wurde die virtuelle Firmenpinnwand mit Kommentaren geflutet. Als Beispiel mag das folgende Bild (gefunden auf der Trigema Facebook-Pinnwand) dienen:

Dazu gibt es die passenden Tweets, die sich belustigt, sarkastisch oder auch kritisch mit den Aussagen des Trigemachefs auseinandersetzen:

Wer mit einem sprechenden Affen zielgruppenorientierte Werbung macht, sollte den Begriff “Idiot” sehr dosiert einsetzen. @JohnniDanger

Reaktionen von Trigema.

Auch bei Trigema ist man auf das Problem/Phänomen aufmerksam geworden und hat via Twitter (der Account firmiert übrigens unter Mr. Chimp, dem Trigemaaffen *hüstel*) . Knapp einen Tag nach dieser Ankündigung veröffentlichte der innovativ-in-Blog einen offenen Brief des Trigema Geschäftsführers, in dem er die Sachlage klar stellt. Das Interview sei stark verkürzt und Aussagen somit aus dem Kontext gerissen worden. Herr Grupp hat damit elegant einfach den schwarzen Peter an Elita Wiegand abgegeben. Ob das gerechtfertigt und die feine Art ist, wäre zu diskutieren.

Trotz des 24 Stunden Schweigens (das im sozialen Web ja gefühlte Jahrzente dauern kann) ist immerhin löblich zu erwähnen, dass es eine angemessene Reaktion von Trigema gab. Damit handelt die Firma trotz (oder gerade wegen?) ihrer konservativen Haltung deutlich besser als zuletzt beispielsweise Nestle. Ich prophezeie dass diese Reaktion den Shitstorm bzw. den Brouhaha soweit eindämmt, dass er die klassischen Medien nicht in ausreichendem Maße erreicht um eine größere Wirkung zu entfalten. Denn in den letzten Fällen solcher Fehlkommunikationen waren erst die typisch trotzigen Firmenstatements, die die Welle so richtig ins Rollen gebracht haben. Wenn Trigema und Herr Grupp nun auch weiter geschickt agieren (also kein Öl ins Feuer gießen), wird größerer Schaden vermutlich abwendbar sein. Denn für Netizens ist Trigema, ähnlich wie Fruit of the Loom als Marke wohl weniger relevant.

Ein “Geschmäckle” bleibt bei solchen Dingen natürlich immer. Deshalb verstehe ich auch nicht wie man ernsthaft vermuten kann es handele sich um eine kluge(!) Viralkampagne. Inkompetenz und gestrige Weltanschauung sind sicherlich nicht der Nährboden auf dem sich in der Internetgemeinde eine Marke wie Trigema entfalten kann. Wolfgang Grupp wird sich wohl eher zähneknirschend eingestehen müssen, dass eine etwas abgestimmtere Kommunikation sinnvoll ist UND es keinen Sinn macht die eigene Meinung über ungeprüfte Dritte zu verbreiten. Denn auch wenn es nicht so schlimm kommt wie in anderen Fällen, bei Google ist zum Suchbegriff Trigema bereits auf der ersten Seite das kritische Interview zu finden und zu “Wolfgang Grupp” ist bereits der erste Treffer die Meldung “Wolfgang Grupp hält Twitterer für Idioten”.

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Buch: Presenting to Win

Samstag, 3. Oktober 2009

Presenting to Win

Diesmal eine weniger technische Buchempfehlung von mir: “Presenting to Win” von Jerry Weissman (19,90€ | 978-0137144174) ist ein Ratgeber der hilft die eigenen Präsentationsfähigkeiten zu optimieren.

Obwohl ich schon einige “Wie-präsentiere-ich-besonders-toll” -Bücher im Schrank habe, ist dieser Hardcoverband wirklich als besonders gelungen hervorzuheben. Das liegt in erster Linie daran, dass hier nicht über endlose Seiten vorgestellt wird, wie PowerPoint-Folien gestaltet und die zu vermittelnden Inhalte darin möglichst kreativ untergebracht werden können. Weissmann geht es zu großem Teil darum “wie die Story gut herübergebracht werden kann!”

Und genau hier liegt das Problem vieler Präsentatoren. Im Regelfall ist schon die Struktur und der Inhalt der Präsentation so schlecht, dass selbst gute Materialien die Geschichte nicht mehr retten würden. Daher beschäftigen sich dann auch konsequenterweise 80% des Buches damit, wie Inhalte aufzubereiten sind, damit man selbst als Präsentator seine Botschaft vermittelt bekommt.

Das Bild “das Publikum vom Punkt A (da wo es vor der Präsentation ist) zum Punkt B (wo man als Präsentierender es anschließend gerne haben möchte)” zu kriegen, wird zwar im Buch überstrapaziert, dies jedoch völlig zu recht. Redner vergessen nur zu gerne die Motivation des Rezipienten. Jeder der die Essener Kommunikationswissenschaft kennt weiß: Hier werden bei mir offene Türen eingerannt! :-) Punkte wie WIIFY (What is in it for you) oder der “call for action” werden nur zu gerne undeutlich verschlüsselt zwischen den Zeilen des Vorgetragenen versteckt. Ein großer Fehler! Resultat: MEGO (Mine Eyes Glaze Over) = Aufmerksamkeit liegt auf dem Blackberry oder der hübschen Tapete.

Wer dieses Buch ließt wird feststellen, dass PowerPoint-, KeyNote- oder Prezi-Präsentationen nur unterstützenden Charakter haben. Du als Präsentator, als Vortragender, bist der auf dem der Fokus liegen muss. Nicht zuletzt, da es ja auch um deine Reputation geht. Ein Fazit lautet daher: Jede PowerPoint-Präsentation, die per Mail verschickt und von einem Fremden verstanden werden kann, ist eine schlechte Präsentation!

Auch wenn man sich teilweise sehr zusammenreißen muss die Hinweise und Guidelines dieses Ratgebers umzusetzen wird einem dies zigfach zurückgezahlt. Die erste Präsentation bei der ich mich beruflich entlang von Weissmanns Ideen vorgearbeitet habe war bereits ein voller Erfolg, und das obwohl ich nur bestimmte Aspekte nutzen konnte. Übung macht hier den bekannten Meister! :)

Für ein Hardcover dieses Kalibers sind 20 Euro wirklich gut investiert.

Kudos für diesen Buchtip gehen übrigens an , der dieses Buch in seiner Session beim BarcampCologne3 präsentiert hat.

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Groundswell – Social Media Strategien für Unternehmen

Donnerstag, 27. August 2009

groundswell_cover2Immer mehr Kommunikationsprofis sind interessiert an Social Media. Dummerweise denken zuviele Menschen, mich eingeschlossen, bei diesem Thema meist nur an spannende Technologien wie Twitter oder YouTube. Wenn es um die Integration des Phänomens “Social Media” in die eigene Unternehmens-Kommunikation geht, sollte es jedoch nicht in erster Linie um die zwanghafte Verwendung von “Buzz-Word-Technologien” gehen.

Groundswell – winning in a world transformed by social technologies” schafft es genau diese Tatsache hervorzuheben. Charlene Li und Josh Bernoff zeigen Wege auf, eine für die eigenen Mittel geeignete Social Media Strategie zu entwickeln, die unabhängig von eingesetzten Technologien funktionieren kann.

Keymessage ist dabei nach dem “POST”-Prinzip vorzugehen. Dazu werden vier Säulen jedes Social Media Engagements betrachtet

  1. People: Wie leider viel zu selten in Kommunikation (und der dazu gehörigen Wissenschaft) wird hier der Fokus stärker auf den Rezipienten gelegt. Wird er ausser Acht gelassen, ist jedes Engagement im sozialen Web zum Scheitern verurteilt. Wer ist eigentlich meine Zielgruppe und wie genau verhält sich diese im Netz. Sind meine User eher sogenannte “Joiner”, die sich in Communities wie Facebook oder StudiVZ aufhalten, oder habe ich es eher mit “Creatoren” zu tun, die sich aktiv bloggend oder podcastend durch das Web 2.0 bewegen. Wofür ist meine Zielgruppe eigentlich bereit?
  2. Objectices: Wie genau sieht eigentlich meien Zielsetzung aus? Geht es darum bereits bestehende Kunden noch weiter an meine Marke zu binden? Oder will ich versuchen über Mund-zu-Mund-Propaganda den Absatz zu stärken? Möglicherweise ist das Ziel aber auch dem “Groundswell” zuzuhören und wertvolle Einsichten in die eigenen Kunden zu bekommen! Nur wer genau weiß was er überhaupt im Web 2.0 erreichen will, der kann dies auch durchsetzen.
  3. Strategy: Es muss eine Strategie entwickelt werden, wie das Engagement im Bereich Social Media die eigene Firma beeinflussen soll. Wie soll sich das Verhältnis zu den Kunden und Usern verändern? Auch ist es unerlässlich den Erfolg der Strategie zu messen, nicht zuletzt um intern die eigene Arbeit zu dokumentieren und möglicherweise die Strategie anpassen zu können.
  4. Technology: Erst ganz am Schluss sollte es um die Technologien gehen, die zum erreichen der Zielgruppe und der Umsetzung der eigenen Ziele durch die Strategie benötigt werden.

In diesem Buch werden zwar auch exemplarisch einige Case Studies beschrieben die gut umgesetzt wurden und größtenteils das POST Paradigma angewendet haben, viel wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass es nicht darum geht die Ideen und Strategien anderer Marken zu kopieren. Die Autoren schaffen es wunderbar aufzuzeigen, dass ein generelles Verständis des Phänomens “Groundswell” die eigene Unternehmenskommunikation auch für die Zukunft mit noch gar nicht vorhanden Technologien rüstet.

Genau aus diesem Grund ist es absolut unverständlich warum die deutsche Ausgabe den Titel “Facebook, You Tube, Xing & Co. Gewinnen mit Social Technologies” trägt. Dies impliziert fälschlicherweise den eben nicht vorhandenen Schwerpunkt im Bereich der ganz spezifischen Technologien. Ein Anspruch dem das Buch Gott sei Dank nicht gerecht wird. Dieser Zustand schlägt sich daher auch in den deutschen Kommentaren nieder (zumal XING als deutsches Phänomen nicht ein einziges mal im Buch erwähnt wird).

Von meiner Seite ist das Buch indes eine ganz klare Kaufempfehlung. Es hilft auf dem Teppich zu bleiben und sich VOR Implementierung einer Social Media Strategie noch einmal die richtigen Fragen zu stellen!

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Erstes Buch Publiziert: Erster Eindruck aus zweiter Hand

Dienstag, 12. Mai 2009

Meine Studie “Erster Eindruck aus zweiter Hand” ist knapp ein halbes Jahr nach der Einreichung als Magisterarbeit jetzt als Buch erschienen (ISBN: 978-3-8322-8080-2 | 24,80 Euro). Der Band trägt die Nummer 28. der Institutsreihe “Essener Studien zur Semiotik und Kommunikationsforschung”, die im Shaker Verlag erscheint.

Inhaltlich beschäftigt sich die Studie mit zwischenmenschlichen Begegnungen in avatarbasierten Onlinewelten. Am Beispiel von Second Life wird aufgezeigt, welche sozio-perzeptiven Kontaktmöglichkeiten den Nutzern in dreidimensionalen virtuellen Welten zur Verfügung stehen und welchen Einfluss diese auf computervermittelte Kommunikation haben können.

Die Buchreihe stützt sich auf den institutionellen Zusammenschluss ihrer drei Herausgeber, Prof. Dr. H.W. Schmitz, Prof. Dr. Achim Eschbach und Prof. Dr. Jens Loenhoff, in der Essener Kommunikationswissenschaft der Universität Duisburg-Essen.

Mehr Informationen und portofreie Erwerbsmöglichkeiten findet Ihr hier:

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Wöchentliche Twitter Updates für 2009-03-22

Sonntag, 22. März 2009

  • hat wer “10 best solutions for shopping carts” in seiner linkliste? Meine nicht technik sondern usability und design! # #
  • Wer immer noch keinen neuen iMac hat oder sich keinen Leisten will kann ja meinen Ur-alt G3 kaufen :) http://tinyurl.com/dd7rm8

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